Weichteilprobleme, Haglund, Fersensporn, NeuromPlantarfasziitis / plantarer Fersenporn

Wenn die ersten Schritte morgens nach dem Aufstehen erhebliche stechende Schmerzen unter der Ferse verursachen besteht wahrscheinlich an einer Plantarfasziitis evtl. mit einem plantaren Fersensporn. Es handelt sich dabei um ein Überlastungssyndrom an der Fußsohle. Die Diagnose Plantarfasziitis bedeutet, dass eine verhärtete und entzündete Weichteilstruktur (Plantarfaszie) haben. Die Struktur verbindet unter der Fußsohle den Fersenknochen mit den Zehen.

Der plantare Fersensporn spielt bei der Schmerzentstehung keine Rolle sondern ist entweder rein zufällig vor Ort oder Folge der Plantarfasziitis.  Diese völlig intergeordnete Bedeutung des plantaren Fersensporns konnten wir durch eigene Beobachtungen an weit über 1.000 Patienten unserer Fußsprechstunde belegen. Dabei waren die Beschwerden völlig unabhängig vom Vorhandensein eines plantaren Fersensporns, d.h. viele Patienten mit lokalen Beschwerden hatten keinen plantaren Fersensporns und noch mehr Patienten ohne lokale Beschwerden hatten einen plantaren Fersensporns.

Eine Plantarfasziitis ist wahrscheinlicher bei Übergewicht und ausgedehnter Belastung beispielsweise berufsbedingtem Stehen. Das Risiko ist auch bei Laufsportlern erhöht, speziell bei verkürzter Wadenmuskulatur oder Beweglichkeitseinschränkung im Sprunggelenk. Personen mit einem Hohlfuß sind ebenfalls besonders häufig betroffen. Eine Plantarfasziitis beginnt meist mit geringen Schmerzen im Bereich der Ferse, die sich oft so anfühlt als ob man einen kleinen Stein im Schuh habe. Die Schmerzen sind zu Beginn meist nach und nicht während einer Belastung am schlimmsten. Wenn die Plantarfasziitis nicht behandelt wird kann sie chronifizieren. Dies kann dazu führen, dass das Aktivitätsniveau eingeschränkt werden muss. Weiterhin können Beschwerden am gesamten Fuß, Knien, Hüften und gar Rücken auftreten da sich das Gangbild ändern kann.

Heel bone = Fersenknochen; Fibrous band Plantar Fascie = Fibröses Band Plantarfaszie; Plantar Fascia = Plantarfaszie

Behandlung

Nichtoperative (konservative) Therapie
In Fällen ohne massiv ausgeprägte Haglunddeformität und/oder Fersensporn kann zunächst eine nichtoperative (konservative) Therapie erfolgen:

  • Regelmäßige Dehnung der Wadenmuskulatur.
  • Kühlung, z. B. durch Eisbehandlungen (nur temporäre Wirkung).
  • Orale antiphlogistische Therapie
  • Belastungsreduktion
  • Entlastung – die Sehne kann durch eine Absatzerhöhung in ihrer Grundspannung entlastet werden.  Eine weitere Entlastung ist auch durch das Weglassen von Einlagen mit Erhöhung im Bereich des Fußlängsgewölbes möglich.
  • Fersenweichbettung und -anhebung mit Gelkissen.

Von folgenden Maßnahmen raten wir ab:

  • Injektionen mit Kortison helfen zwar kurzfristig, zerstören aber nachweislich die Achillessehne.
  • Die Stoßwellentherapie hat keinen nachgewiesenen Nutzen und wird daher von den Krankenkassen auch nicht bezahlt. Im Gegensatz zur Kortisontherapie hat sie jedoch keine negativen Folgen.
  • Röntgenbestrahlung hat keinen nachgewiesenen Nutzen und ist karzinogen d.h. krebserregend.

Bei der ersten Übung wird sich vorwärts gegen eine Wand gelehnt mit Bodenkontakt der Ferse und gestrecktem Knie. Das andere Knie ist gebeugt wie auf der Abbildung gezeigt. Diese Stellung sollte für 10 Sekunden gehalten werden, dann entspannen und erneut dehnen. Dies sollte 20 Mal wiederholt werden und immer für beide Seiten durchgeführt werden.

Bei der zweiten Übung beide Füße voreinander gestellt und sich nach vorn gegen einen Tisch oder ein Board gelehnt. Die Knie werden gebeugt und in die Hocke gegangen und dabei solange wie möglich Bodenkontakt mit den Fersen gehalten. Wadenmuskulatur und Plantarfaszie werden dabei gedehnt. Diese Stellung sollte für 10 Sekunden gehalten werden, dann entspannen und erneut dehnen. Dies sollte 20 Mal wiederholt werden und immer für beide Seiten durchgeführt werden.

Etwa 90% aller Betroffenen werden mit dieser Behandlung innerhalb von 2 Monaten eine erhebliche Verbesserung erreichen. Sie sollten außerdem Schuhe mit Pufferabsätzen oder gar Luftpolsterschuhe tragen.

Operative Therapie
In Fällen mit erfolgloser nichtoperativer (konservativer) Therapie kann dann zuletzt eine Operation mit Lösen der Plantarfaszie helfen. Ein eventuell vorhandener plantarer Fersensporn wird dann gleich mit entfernt. Fast immer erfolgt im selben Eingriff eine Verlängerung der verkürzten Gastrocnemiussehne.